Aus dem Leben eines Videoeditor: Ich sehe was, was ihr nie zu Gesicht bekommen werdet

von | Jun 13, 2023 | Allgemein | 2 Kommentare

Der Titel sagt eigentlich schon alles, aber so wirklich bewusst ist das den meisten dennoch nicht.

Ihr seht auf YouTube, TikTok, Instagram und Co. so ziemlich die idealste Version eurer Lieblinge oder eben der sprechenden Personen. Ob es

  • das wohlüberlegte Gesagte ist,
  • die Licht und Farbeinflüsse,
  • die Hintergrundmusik – die theatralisch begleitet und das Gesagte emotional unterstreicht

… ach wenn man doch nur selbst so eloquent und witzig sein könnte.

Wenn man dann selbst mal einen Versuch vor der Kamera sich traut, dann ist das Ergebnis eher ernüchternd. Nee, das wird wohl nix, überlassen wir dass doch lieber den Profis.

Das ist nichts für die Öffentlichkeit

Natürlich braucht es etwas Übung, um gut vor der Kamera zu performen, aber wenn ich eines aus meiner Arbeit als Videobearbeiterin sagen kann:

wenn ich die „ehms“ und Denkpausen zusammenzählen würde, die ich im letzten Jahr bis heute aus den Videos entfernt habe, dann wäre daraus jetzt ein 2stündiger Blockbuster entstanden – nur eben sehr langweilig.

Aber das sind ja nur die Standardcutts – viel interessanter sind

  • die freudchen Versprecher,
  • die plötzlichen Reizhustenanfälle,
  • die hochgezogenen Schniefnasen (okay, die sind nicht so interessant),
  • die 4mal angesetzten Sätze oder Wörter und das darauffolgende genervte Schnaupen,
  • die auflockernden Lacher
  • die ungeplanten Videobomber (Menschen oder Tiere, die unbedingt ins Bild oder während der Aufnahme gerade etwas wollen),
  • die Telefonanrufe (inklusive Privatgespräche)
  • die dreckigen Witze zwischen Sprecher und Kameramann,
  • die natürlichen und dennoch komischen Krimassen (zufällige Standbilder sind die besten),
  • die persönlichen Anweisungen an mich (die Cutterin)…

Man kann durchaus sagen, dass 30% bis teilweise 50% des Rohmaterials für den virtuellen Mülleimer sind – aber vorher darf ich es sehen und oft haben genau die unerwarteten Momente mich aus meiner oft fokussierten und in den Frames verlierenden Arbeit wieder in die Realität geholt. Das ist teilweise sehr wichtig, weil man schnell die Zeit aus den Augen verliert und immerhin habe ich ja auch noch ein Leben außerhalb von dieser Leidenschaft.

Was die können, das kannst du auch

Ich meine, jeder kennt die lustigen Outtakes am Ende von Hollywoodfilmen, wo man rausgeschnittene Aufnahmen zeigt, die meist lustig sind… wie du siehst, ist das nur ein kleiner Teil und dann auch noch der, den man durchaus wiederverwerten kann.

Es ist also nicht alles so sauber, wie es scheint und deswegen kannst du dir sicher sein, dass auch du aus deinen Videos noch viel rausholen kannst – im besten Fall von mir 😉

Ich möchte aber schon die Gelegenheit nutzen, ein paar kleine Tipps zu geben, die später für das Schneiden ne Menge Zeit einsparen können:

  • Licht und Ton sind wohl die wichtigsten Bestandteile für eine gelungene Aufnahme, achte also auf die Beleuchtung und eine saubere Tonaufnahme – am besten vorher testen und selbst anhören und bitte bitte bitte schau, dass der Hintergrund ansprechend ist (Pflanzen, Lampen, Bilder etc.)
  • deine Kleidung solltest du auch vorher noch mal im Spiegel begutachten: sauber, knitterfrei, bedeckend…
  • Erstelle vorher ein Scribt und schreibe dir entweder in Stichpunkten oder ganzen Sätzen auf, was du eigentlich sagen willst. Lies es dir vor der Aufnahme durch und währenddessen kannst du immer wieder drauf schauen – das wird eh rausgeschnitten ABER sag erst den Satz in die Kamera bis zum Ende, kurze Pause, dann wende dich deinen Stichpunkten zu, dann schau wieder in die Kamera, kurze Pause und sprich den nächsten Satz
  • solltest du dich mal versprechen, dann stoppe den Satz und fang ihn einfach wieder von vorn an – nicht einfach weiterreden oder gar die Worte ineinander übergehen lassen, weil beim Schnitt es sehr viel länger dauert, genau den millisekunden Tonabschnitt zu finden, der raus muss ohne dabei zu abgehackt zu klingen
  • Schau in die Kamera, nicht auf deine Aufnahme auf dem Display – das ist so, als ob jemand mit dir redet, aber an dir vorbeischaut – und es wirkt so, als ob du dir unbedingt selbst zuschauen willst
  • hab immer ein Glas Wasser bei dir, weil du definitiv schnell einen trockenen Mund bekommen wirst
  • ach und ja, damit man ein paar Zoomeffekte einbauen kann: nicht zu nah an die Kamera und auch nicht zu weit weg – am besten schaust du mit Hilfe einer Testaufnahme, dass du ca. 1/3 der Breite des Bildschirms einnimmst und dein Kopf relativ mittig, zwischen oberen und unterem Bildschirmrand (wenn du zu weit weg bist, dann verpixelt die Aufnahme beim näher ranzoomen)
  • apropo Auflösung: mindestens HD – alles andere wirkt einfach qualitativ schlecht

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2 Kommentare

  1. Dünyabin Jasarov

    Barakallahhufeekum für deine Mühen Suzan deine Tipps werde ich in shaa Allah berücksichtigen. Beim nächsten mal. Entschuldige meine unnötigen misstakes oder schlechten Aufnahmen die du mit voller Leidenschaft rausgeschmissen hast damit das Endprodukt Bombe ist.

    Antworten
    • editedbyquerschnitt

      Oh nein, entschuldige dich doch nicht für die anfänglichen Fehler – du machst das Ganze doch gar nicht so oft. Und bisher ist doch immer ein gutes Endprodukt entstanden, alhamdulillah.

      Antworten

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