YouTube Influencer: Was die meisten Zuschauer sehen wollen vs. dein Ding

von | Jul 10, 2023 | Allgemein, Video Marketing, YouTube Kanaloptimierung | 0 Kommentare

Ich habe vor ein paar Tagen an einem großen Projekt gearbeitet – eine Mischung aus Interview und Doku über ein Thema, was ich persönlich sehr interessant finde, aber sicherlich nicht jeder so spannend findet. Dazu später mehr.

Nachdem ich zunächst das erste Mal mit zwei Tonspuren gearbeitet habe und nicht den leichten Weg über Davinci Resolve hatte, wo man mit zwei Klicks beide Tonspuren am Anfang synchronisieren kann und dann einfach losschneidet – nein, ich musste manuell anpassen, da das Videomaterial vorher schon Cuts hatte, die Tonspuren aber nicht – war es nun meine Aufgabe als Editor, wie immer, unwichtige Szenen rauszunehmen und durch Zooms eine Art Szenenwechsel zu erzeugen, obwohl nur eine Kamera benutzt wurde.

timeline audio davinci resolve

Das klingt erstmal wie normale Videoeditorarbeit und ist auch nicht der schwierige Part beim Schneiden (obwohl das genaue manuelle synchronisieren von zwei Tonspuren schon extreme Feinarbeit ist) – der Wunsch des Kunden, das eher sachliche Thema möglichst ansprechend für ein junges Publikum so umzusetzen, dass nicht schon nach 3 Minuten abgeschaltet wird, DAS war die Herausforderung.

Nachdem ich fertig war (inklusive erstem Rohschnitt, nochmaligen Kürzen etc.) stand immer noch im Raum: ist das Video spannend genug? Wo kann man noch bessere Cuts setzen, was kann man noch weglassen? Wie kann man den jungen Zuschauer dazu bringen, weiter zu schauen?

screenshot Dashboard Davinci Resolve

Im Austausch mit dem Kunden kamen wir dann auf das Thema:

Videos, auf die Mehrheit zugeschnitten vs. deine Interessen, dein Style, dein Ding

Ich persönlich vertrete die Ansicht, dass man durchaus dem Zuschauer zutrauen kann, sich Videos anzuschauen, die nicht ständig durch Jump-Cuts (plötzlicher/sprunghafter Szenenwechsel) und hektischen Spannungsmomenten oder humorbeladenen (pausenlosen) Gesagtem durchsetzt sind UND JA, damit stellen ich mich entgegen den Ratschlägen, gerade im Influenzer-Bereich (YouTube, TikTok und Co.), den Zuschauer gerade mit diesen Mitteln an der Stange zu halten.

Ich wehre mich innerlich gegen diese schädliche Entwicklung, die im Grunde nur ein Resultat hat: verminderte Aufmerksamkeitsspanne und erhöhte Adrenalinausschüttung – nur weil man mit langen, ruhigen Szenen nicht mehr klar kommt.

Mein Kunde möchte aber natürlich, dass seine Videos möglichst viele sich anschauen und idealerweise komplett durch. Immerhin steckt viel Zeit, Geld und Energie in solchen Aufnahmen – es gibt nichts Entmutigenderes, wenn das nicht wenigstens mit Klicks und Views belohnt wird.

Und auch ich als Editor habe viel Zeit und Gedanken investiert, damit am Ende aus dem Rohmaterial etwas Ansprechendes heraus kommt. Viel Zeit, viele Gedanken…

screenshot youtube dashboard analytics

Um den Zuschauer nicht zu langweilen, muss man also sich im Vorfeld informieren, was der Zuschauer eigentlich will. Unzählige Creator-Berater gibt es im Netz, die dir sagen, was du noch machen kannst, um mehr Zuschauer auf dich zu lenken und wie man mit welchen Mitteln eventuell noch mehr Aufmerksamkeit erzeugt. Es geht vor allem darum, deine Follower zu bedienen, aber auch neue Zuschauer so anzusprechen, dass sie auch zu deinen Followern werden. Und da der Markt mittlerweile nur so von Konkurrenz platzt, ist es um so schwieriger, da das Scheinwerferlicht, auf sich zu lenken.

youtube timeline

Guter Videoschnitt vs. interessante Themen

Und da sind wir schon beim eigentlichen Punkt der Debatte. Fakt ist: es gibt Videos, die kaum editiert sind, aber wegen ihres Themas so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass dem Zuschauer noch nicht mal auffällt, dass gerade 30 oder 40 Minuten vergangen sind, ohne ein Schnitt oder gar irgendwelchen Effekten. Es gibt aber auch Videos, die vor Effekten dein Gehirn explodieren lassen, du aber am Ende nicht mal weißt, was der eigentlich tiefere Sinn hinter diesem Video war und nach einem Tag sogar nichts mehr davon als Erinnerung im Kopf geblieben ist.

Wurde man in beiden Fällen unterhalten? Ja klar! Welches Video hatte nun mehr nachhaltigeren Mehrwert? Die Frage kannst du dir selbst beantworten.

Was ich hier deutlich machen möchte: ja, man kann seinen Content so aufbauen, dass jeden Tag die Zuschauer sich irgendetwas von dir reinziehen, dir den Klick und View geben, vielleicht sogar Kommentieren und dich dafür feiern. Das kannst du dann durch viele Effekte so aufblähen, dass hauptsächlich der Spaßfaktor angesprochen wird. Dass man bei Quantität nicht immer (geistige, tiefsinnigere) Qualität abliefern kann, ist bei dieser Art Zuschauer nebensächlich – die wollen eben nur schnelle Unterhaltung.

Doch es gibt auch Creator, die mehr als nur Klicks und Views wollen, denen diese Zahlen beim Produzieren des Videos völlig egal sind, die sogar sich sagen: mir egal, ob das jetzt jeden Zuschauer fesselt – ich möchte mein Ding machen und wem es gefällt, dem gefällt es halt und wem nicht, dem halt nicht. Ich habe Spaß an dem was ich mache und möchte mich einfach nicht noch damit beschäftigen, wie ich das jetzt möglichst jedem Zuschauer (der nicht mein Follower ist) recht mache.

Gutes Thema, guter Schnitt – Die Kunst, beides zu kombinieren

Im Falle meines Kunden ging es aber nicht darum, das Video mit Effekten zu überladen oder es auf 10 Minuten zu kürzen, damit der Spaßfaktor in den Vordergrund rückt. Hier war es wichtig, das (persönlich empfundene) gute Thema mit einem guten (zuschauerfreundlichen) Schnitt zu einem Video zu verpacken, so dass nachhaltig ein Mehrwert entsteht, aber der Unterhaltungsfaktor dabei nicht untergeht.

Da müssen sowohl der Content-Creator, als auch ich (als Editor) die eigenen Vorstellungen von „Interessant“ an die Seite schieben und völlig objektiv immer wieder das bearbeitete Video sich anschauen und analysieren, wo der Zuschauer eventuell das Interesse verlieren könnte (abschweift, wegklickt).

Mein Vorschlag ist dann immer:

  • Lass doch mal ein paar Leute aus deinem Umfeld sich das Video vor der Veröffentlichung anschauen und beurteilen. Teilweise bekommt man dann schon sehr gute Hinweise und kann durch eine neue Perspektive frisch das Video betrachten und anpassen.
  • Sowohl als Creator als auch als Videoeditor ist es nahezu eine Pflicht, sich Videos anderer Creator und Editoren mit ähnlichen Inhalten anzuschauen und dabei herauszufinden, was deren Geheimnis ist.
    Bei dieser Recherche muss man aber auch den kompletten Kanal und eventuell die Zielgruppe (Zuschauer, Follower) näher betrachten.
    Creator die schon sehr lange Videos produzieren, haben möglicherweise eher durch ihre Art und Persönlichkeit sich ihre Follower erarbeitet, während Kanäle, die noch nicht lange existieren schon eher dir durch das Videoediting bzw. interessante Thumbnails und effektivere Titel zeigen können, wie man es besser machen kann.

Welchen Weg willst du gehen?

Wer Videos produzieren will MUSS sich im Vorfeld bewusst machen, was er mit seiner Arbeit (also Zeit, Geld und Energie) erreichen möchte.

bürozimmer fragezeichen
  1. Als Muslim steht an erster Stelle natürlich das Wohlgefallen Allahs
    Was bedeutet das?
    1. sind deine Inhalte islamisch korrekt
    2. willst du eher Muslime ansprechen oder doch lieber Nichtmuslimen ein gutes Bild vom Islam vermitteln
    3. was kannst du beim Videoschnitt verwenden (Thema Musik, Humor/Memes, islamisch korrekte Bilder etc.)
    4. sind deine Videos keine Ablenkung oder Zeitverschwendung
  2. Als Muslim steht an zweiter Stelle der Mehrwert für die Ummah
    1. werden deine muslimischen Zuschauer positiv zu gottesdienstlichen Handlunge/Denkweisen/Aussagen motiviert
    2. können deine muslimischen Zuschauer mit deinen Inhalten noch mehr Gutes für die Ummah tun
  3. Als Content-Creator solltest du dich entweder für Quantität oder Qualität entscheiden und dementsprechend produzieren
    1. beides zu vereinbaren ist nur möglich, wenn du schon größer bist und deswegen auch genug Personal bezahlen kannst, welches einzelne Aufgaben übernehmen kann
    2. entscheidest du dich für Quantität, dann kommt es auf eine mainstreamorientierten Themenauswahl an und den aktuellen Trends beim Schnitt
    3. entscheidest du dich für Qualität, dann ist vor allem das Thema wichtig, der Mehrwert und die Nachhaltigkeit, sowie gute Videoaufnahme, damit im Schnitt nicht mehr viele Effekte gebraucht werden
  4. Als Videoeditor (für Andere) solltest du die Wünsche des Kunden nachvollziehen können und respektieren
    1. lerne unterschiedliche Techniken, um unterschiedliche Arten von Content bedienen zu können
    2. sei offen für Kritik und nutze diese, um an die zu arbeiten und um besser zu werden,
    3. ABER sage auch mal nein, wenn du vor allem nicht willst, dass deine Videoschnittarbeiten/Projekte (die später für jeden öffentlich zu sehen sind) potenzielle Kunden eher davon abhält, dich zu buchen

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